Das ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein verständliches Muster bei Menschen, die ihren Beruf ernst nehmen – und dabei sich selbst oft zuletzt setzen.
Der Lehrberuf verbindet strukturelle und emotionale Belastungsquellen auf eine Weise, die in vielen anderen Berufen so nicht vorkommt:
Emotionale Arbeit – Lehrkräfte regulieren täglich ihre eigenen Emotionen, um Schüler*innen verlässlich begegnen zu können, auch wenn sie selbst erschöpft, frustriert oder unsicher sind.
Rollenkomplexität – Gleichzeitig Unterrichtende, Berater*in, Notfallanlaufstelle, Verwaltungskraft und manchmal Elternersatz zu sein, kostet Ressourcen, die selten explizit anerkannt werden.
Kontrollverlust – Viele Bedingungen, unter denen Lehrkräfte arbeiten, sind nicht selbst gestaltbar: Klassenzusammensetzungen, Lehrpläne, Ressourcen, Erwartungen von außen.
Verausgabungs-Belohnungs-Ungleichgewicht – Zwischen dem, was gegeben wird, und der erlebten Wertschätzung besteht oft eine spürbare Lücke.
Das AGiL-Konzept (Arbeit, Gesundheit in der Lehrerbildung), entwickelt an der Schön Klinik Roseneck, beschreibt auf Basis umfangreicher empirischer Forschung, welche Faktoren Lehrkräfte besonders vulnerabel für Burnout und gesundheitliche Erschöpfung machen – und welche Ressourcen schützend wirken.
Zentrale Erkenntnisse, die für das Coaching relevant sind:
Verausgabungsbereitschaft und Distanzierungsfähigkeit – Lehrkräfte mit hoher Verausgabungsbereitschaft und gleichzeitig eingeschränkter Fähigkeit, sich innerlich vom Beruf zu distanzieren, zeigen deutlich erhöhte Erschöpfungswerte. Die Fähigkeit, nach dem Unterricht „abzuschalten", ist keine Charakterschwäche – sie ist eine erlernbare Kompetenz.
Resignationstendenz vs. innere Widerstandsfähigkeit – Ein Teil der betroffenen Lehrkräfte entwickelt im Verlauf eine zunehmende Resignation: das Gefühl, ohnehin nichts verändern zu können. Diese Haltung schützt kurzfristig, verstärkt aber langfristig Erschöpfung und Rückzug.
Gesunderhaltende Muster – Lehrkräfte, die langfristig gesund und engagiert bleiben, zeichnen sich durch eine hohe Klarheit über ihre eigenen Werte, einen bewussten Umgang mit Grenzen und eine realistische Selbstwahrnehmung aus.
Der ACT-Ansatz (Acceptance and Commitment Therapy / -Coaching, entwickelt von Steven Hayes und Kirk Strosahl) hat sich als besonders wirksam erwiesen für Menschen, die sich in einem Zustand zwischen „immer mehr anstrengen" und „innerlich aufgeben" befinden.
ACT verfolgt kein Ziel der Beschwerdefreiheit – sondern stärkt das, was die Forschung als psychische Flexibilität bezeichnet: die Fähigkeit, auch in belastenden Situationen mit den eigenen Werten im Kontakt zu bleiben und handlungsfähig zu bleiben.
Konkret bedeutet das im Kontext Lehrergesundheit:
Akzeptanz statt Kampf: Belastende Gedanken und Gefühle werden nicht bekämpft oder verdrängt, sondern als das wahrgenommen, was sie sind – innere Erfahrungen, die das Handeln nicht zwingend bestimmen müssen.
Kognitive Defusion: Abstand gewinnen zu Gedanken wie „Ich darf nicht schwach sein" oder „Wenn ich Nein sage, lasse ich alle im Stich" – ohne sie einfach wegzureden.
Werteorientierung: Klarheit darüber, was Ihnen im Beruf und im Leben wirklich wichtig ist – als Kompass für Entscheidungen, die Sie auch in belastenden Phasen tragen.
Committed Action: Kleine, konkrete Schritte, die wieder Richtung geben – nicht im Sinne von Perfektion, sondern von stimmigem Handeln.
ACT schafft keine idealen äußeren Bedingungen – aber es verändert, wie Sie sich zu Ihren Bedingungen verhalten.
Im Coaching für Lehrergesundheit arbeiten wir an dem, was Sie selbst beeinflussen können:
Was Coaching nicht leisten kann: die Rahmenbedingungen an Ihrer Schule zu verändern. Was es leisten kann: Ihren Umgang mit diesen Bedingungen – und damit Ihre Handlungsfähigkeit.
Wenn Sie sich in diesen Themen wiederfinden und prüfen möchten, ob Coaching gerade für Sie sinnvoll ist – ich freue mich auf ein unverbindliches Erstgespräch.
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